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16.04.18 | FAS, Öffentlich, Aktuelles

„Viel größer als Monaco, aber bei weitem nicht so reich!“

Studierende der FHWS besuchen das Sozialdorf „Ort zum Leben“ Herzogsägmühle, das als erstes Sozialunternehmen eine Gemeinwohlbilanz veröffentlicht hat.

Herzogsägmühle ist ein Dorf im Allgäu, das bereits 1894 als Arbeiterkolonie für wohnungs- und arbeitslose Männer gegründet wurde. Über die Jahre hat sich hieraus ein „Ort zum Leben“ entwickelt. Die Einrichtung bietet heute u.a. Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenslagen, wie Wohnungslosigkeit, Straffälligkeit, Alter oder Behinderung. In Herzogsägmühle leben und arbeiten ca. 900 Menschen. Das Sozialdorf bietet vielseitige Arbeitsplätze für Hilfeberechtigte in Landwirtschaft, Handwerk, Verwaltung, Einzelhandel und dem Sozialwesen. Die Fläche umfasst 350 ha Land, wovon ein Teil landwirtschaftlich genutzt wird, und ist damit deutlich größer als das Fürstentum Monaco (ca. 200 ha).

Die Studierenden des Bachelors „Soziale Arbeit“ im Vertiefungsmodul "Soziale Arbeit und Behinderung" an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg - Schweinfurt (FHWS) in Würzburg besuchten in Begleitung von Frau Prof. Dr. Löbmann und Herrn Prof. Dr. Gartzke diesen besonderen Ort und bekamen an zwei Tagen einen Einblick in das Dorfleben und die hier geleistete Arbeit.

Bei einer derart großen Einrichtung stellte sich den Studierenden die Frage, wie hier Inklusion gelingen kann. Heidrun Schneider, Teilbereichsleitung Wohnen für Menschen mit Behinderung, erläuterte den Studierenden das Konzept der inversen Inklusion. Statt der strategischen Grundausrichtung auf das Ziel „immer mehr Hilfeberechtigte leben in den Orten der Umgebung“ werden die Ziele „die Lebensqualität der Betroffenen ist der alleinige Maßstab für den Ort des Wohnens und Arbeitens“ und „das Leben im Diakoniedorf ist konsequent zu normalisieren, auch und vor allem durch Öffnung für die Gemeinwesen der Umgebung“ in den Mittelpunkt gestellt. Dies wird unter anderem durch den öffentlichen Kaufladen „Mühlenmarkt“, zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen sowie durch die Bereitstellung von Baugrund für Bürger und Beschäftigte umgesetzt.

Eine weitere Besonderheit von Herzogsägmühle, erläuterte Direktor Wilfried Knorr den Würzburger Studierenden. Herzogsägmühle orientiert sich an den Zielen der Gemeinwohlökonomie und hat 2016 eine Gemeinwohlbilanz erstellt. Die Gemeinwohlökonomie bemisst die ethischen Aspekte in einem Unternehmen. Die Grundprinzipien hierbei sind Menschenrechte, Mitbestimmung, ökologische Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Nach diesen Aspekten wird das Unternehmen begutachtet und eingestuft, diese Bilanz wird abschließend wie die Finanzbilanz eines Unternehmens veröffentlicht. Direktor Wilfried Knorr betont das nach diesem Konzept Geld als Tauschwert gilt und nicht als Nutzwert. Er sieht in der Gemeinwohlbilanz ein zukunftsfähiges, soziales und gerechteres Wirtschaftsmodell auch für andere Unternehmen und soziale Einrichtungen. Daher steht in Herzogsägmühle -anders als im Fürstentum Monaco- das Streben nach finanziellem Reichtum hier nicht im Vordergrund. Stattdessen werden u.a. Angebote füfür die Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz gemacht. Die Nachhaltigkeit wird auch durch den Anbau von Bio-Produkten sowie die Tierhaltung von 210 Deutsch-Angus-Rindern einschließlich des Verkaufs im eigenen Mühlenmarkt gefördert.

Inspiriert und voller neuer Eindrücke kehrten die FHWS-Studierenden wieder nach Würzburg zurück. Hier sollen die Eindrücke reflektiert und weiterentwickelt werden. Ein großer Dank gilt den Verantwortlichen von Herzogsägmühle für die umfassende Information sowie die große Gastfreundschaft und tolle Verpflegung.

Weitere Informationen:

www.herzogsaegmuehle.de

https://www.ecogood.org

https://bsa.fhws.de/vertiefungsmodule.html