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07.06.18 | FAS, Öffentlich, Aktuelles, Pressemeldungen

FHWS-Besuch der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit in Hamburg

Demokratie und Soziale Arbeit. Teilhabe, Solidarität und bürgerschaftliche Identifikation in einer pluralen Gesellschaft

Die Promovendin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FHWS, Vera Taube (li.), auf dem Podium der „Vorkonferenz für Nachwuchswissenschaflter*innen der Sozialen Arbeit“ (Foto / DGSA)

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) in Hamburg bildete, wie schon in den Vorjahren, das Ziel einer Exkursion der Studierenden des Masterstudiengangs Soziale Arbeit an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. 28 Studierende besuchten unter der Leitung von Professor Dr. Dieter Kulke und Professorin Dr. Rebecca Löbmann die Tagung, die dieses Jahr unter dem Thema „Demokratie und Soziale Arbeit. Teilhabe, Solidarität und bürgerschaftliche Identifikation in einer pluralen Gesellschaft“ stand. Seit Jahren zieht die Jahrestagung ein größer werdendes Interesse auf sich, so Kulke: Insgesamt wurden 650 Besucher verzeichnet, die die Keynotes und in fünfzig Panels weit über hundert Vorträge von 170 Referenten besuchten.

Den Schlusspunkt der Tagung bildete die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Demokratie konkret – Möglichkeiten und Grenzen der Demokratieförderung“. Teilnehmer waren Professor Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg), Till Stehn (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Schleswig Holstein, AWO), Professorin Dr. Heike Radvan (Amadeu-Antonio-Stiftung; TU Cottbus) und Jochen Schmon (Zentrum für politische Schönheit). Es wurde diskutiert, wieviel Raum rechtem und antidemokratischem Gedankengut im politischen und gesellschaftlichen Diskurs zugesprochen werden dürfe. Radvan wies auf die in den letzten Jahren zunehmende Bedrohung politischer Bildungseinrichtungen durch rechte Gruppierungen hin. Schmon hob hervor, wie wichtig es jetzt sei, „klare Kante gegen rechts zu zeigen“. Trotzdem, so Kulke weiter, blieb die Fragestellung bis zum Ende der Diskussion weitgehend unbeantwortet, was womöglich der Tatsache geschuldet ist, dass einerseits die Garantie von Rede- und Meinungsfreiheit wie andererseits auch der Schutz vor Diskriminierung gleichermaßen Anliegen der Sozialen Arbeit darstelle, die im Rahmen der politischen Diskussion eine sensible Abwägung erfordere.

In diesem Jahr fand zum ersten Mal die „Vorkonferenz für Nachwuchswissenschaflter*innen der Sozialen Arbeit“ statt. Organisiert und durchgeführt wurde sie von Vera Taube, Promovierende und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften in Würzburg, mit 64 teilnehmenden Promovierenden und Promotionsinteressierten der Sozialen Arbeit, 29 Postern und elf Teilnehmenden am Präsentationswettbewerb. Die Vorkonferenz zielte darauf ab, Aspekte der Internationalisierung von Publikationsmöglichkeiten und Forschungskooperationen und Karrierewege nach der Promotion sowie die Vernetzung von Interessierten, Promovierenden und Neu-Promovierten auszubauen. Die Vorkonferenz konnte die Bildung eines Netzwerkes von Nachwuchsforschern Sozialer Arbeit anstoßen.

Da die DGSA beabsichtigt, eine Forschungsethikkommission einzurichten, wurde im Vorfeld unter der Moderation der Sprecherin der Fachgruppe Ethik, der Würzburger Professorin Dr. Theresia Wintergerst, ein Eckpunktepapier entwickelt. Zusammen mit den Verantwortlichen der Sektion Forschung konnte man sich auf viele Gemeinsamkeiten einigen. Auf dieser Basis soll in den nächsten zwei Jahren ein Forschungsethikkodex entwickelt werden. Bevor in der Versammlung der DGSA das Eckpunktepapier verabschiedet wurde, wurden die zentralen Punkte in einem ad-hoc Panel vorgestellt und diskutiert. Wintergerst vertrat die Anliegen der Forschungsethik und machte deutlich, in welchen Bereichen ethische Ansprüche und Fragen noch geklärt werden müssen.

Professor Dr. Kulke stellte aktuelle Forschungsergebnisse vor: In dem Panel der Fachgruppe Politik Sozialer Arbeit, der er seit mehreren Jahren angehört, stellte er die Ergebnisse einer Befragung zu politischen Einstellungen und zu politischer Partizipation von Studierenden der Sozialen Arbeit vor, an der über vierhundert Studierende der Würzburger Fakultät teilgenommen hatten. Ein wichtiges Ergebnis sei, dass zwar das politische Interesse von Studierenden vergleichsweise hoch sei, das praktische Engagement demgegenüber aber abfalle. In einem zweiten Vortrag stellte Kulke auf der Grundlage einer Masterarbeit der FHWS-Absolventin Johanne Schmidt Ergebnisse einer Online-Befragung zu Politik und einem politischen Auftrag der Sozialen Arbeit von Fachkräften in der Praxis dar. In der wissenschaftlichen Publikation gehe es darum, die verschiedenen Möglichkeiten und Strategien eines politischen Auftrags Sozialer Arbeit in der Praxis aufzuzeigen. Aus beiden Vorträgen und Diskussionen ergaben sich nach Kulke vielfältige Aspekte für die Lehre der Sozialen Arbeit, durch die Studierende die notwendigen Kompetenzen erwerben, um politische Zusammenhänge zu analysieren und Möglichkeiten der Einflussnahme für ihre Klientel und die Profession erkennen und nutzen könnten.