Titelbild mit Studierenden der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Drei Tage – Drei Parteien – Drei Kilometer für jeden

15.11.2019 | Aktuelles
Der Schwerpunkt Alter entdeckt neue Möglichkeiten der offenen Altenhilfe

Vom 21.Oktober bis zum 23. Oktober besuchten die Studierenden des Schwerpunkts „Soziale Arbeit in der alternden Gesellschaft“ zusammen mit ihrer Leiterin Theresia Wintergerst die Landeshauptstadt München. Das dreitägige Programm startete mit einem Treffen im Sozialreferat München unter der Leitung von Elisabeth Solchenberger aus der Abteilung Altenhilfe und Pflege. Dabei ging es hauptsächlich um die Alten- und Service-Zentren, bei denen München eine Vorreiterrolle der flächendeckenden offenen Altenhilfe in Deutschland einnimmt. Bisher gibt es dort 32 Alten- und Service-Zentren (ASZ), die als Anlaufstellen für die ältere Generation dienen. Kein Münchner und keine Münchnerin hat einen längeren Weg als 3 Kilometer zum nächsten Alten- und Service Zentrum; der Bau von drei weiteren ist bereits geplant. Die niedrigschwelligen Angebote eines ASZ’s können so individuell wie ihre Besucher sein, so gibt es dort zum Beispiel einen regelmäßigen Mittagstisch, Gruppen- und Kursangebote, Vorträge und Förderungen der Möglichkeiten zum Bürgerschaftlichen Engagement. Bildungs- und Hilfsangebote werden miteinander verzahnt. Am folgenden Tag gab es die Möglichkeit, ein ausgewähltes ASZ in der Münchner Innenstadt – das ASZ Isarvorstadt – zu besichtigen und sich ein eigenes Bild einer dieser Einrichtungen zu machen. Das ASZ Isarvorstadt wird von 5 Sozialpädagogen bzw. Sozialpädagoginnen, einer Verwaltungskraft und einer Hauswirtschaftskraft betreut. Auf Grund seiner Lage im Viertel „Isarvorstadt“ und dessen Geschichte liegt ein Fokus dieses ASZ’s in der Bereitstellung von Angeboten für Homosexuelle Ältere.

Nach dem Besuch im Sozialreferat München ging es am Montag weiter zum Landtag, um mit Parlamentsmitgliedern zu sprechen. Noch in Würzburg hatten sich die Studierenden zusammen mit Frau Wintergerst Gedanken gemacht, über welche Anliegen der Seniorenpolitik sie sprechen möchten. Das große Anliegen, das mit nach München genommen wurde, war die Frage nach Förderungen und Hilfen für die Kommunen bezüglich offener Altenhilfe. Die Fraktionen der CSU, der SPD, der Freien Wähler und der Grünen wurden um ein Gespräch gebeten. Daraufhin sprachen drei Fraktionen eine Einladung aus. Zunächst trafen die Studierenden den pflegepolitischen Sprecher der Grünen Andreas Krahl. Darauf folgte am nächsten Tag das Treffen mit Doris Rauscher von der SPD. Dabei machte sie sich für das Recht stark, in jeder Kommune einen Seniorenbeirat etablieren zu können, wenn Senioren dies wollen. Sie will sich mit ihrer Fraktion dafür einsetzen, dies im bayerischen Seniorenmitwirkungsgesetz zu verankern. Auch mit Johann Häusler, dem Sprecher für Arbeit und Senioren der Freien Wählern fand ein Gespräch statt.

Das Kulturleben Münchens kam nicht zu kurz: am Dienstagvormittag teilte sich die Gruppe auf und besuchte einerseits die Pinakothek, in der die Studierenden sich Bilder alter Menschen im Wandel der Epochen ansahen und Altersbilder von Männern und Frauen analysierten. Die  andere Gruppe besuchte das Deutsche Museum.

Zum Abschluss der Exkursionen ging es am Mittwoch, 23.10.2019, nach Nürnberg in die Begegnungsstätte Kirschgarten. Dort lernten die Studierenden eine alternative Wohnform für die ältere Gesellschaft kennen, die Demenzwohngemeinschaft der Caritas Sozialstation und Tagespflege Nürnberg Nord. Es gab die Möglichkeit, sich mit Barbara Klug – Geschäftsführerin der Sozialstation – über die Demenz-WG und das niedrigschwellige Angebot in der Begegnungsstätte zu unterhalten und Ideen zu neuen Wohnformen und die Einbindung und Mitbestimmung von Angehörigen mitzunehmen. Im Anschluss daran konnte die Demenz-WG besichtigt und deren Bewohner kennengelernt werden.

Die Studierenden schätzten die Erweiterung der wissenschaftlichen und theoretischen Lernhinhalte durch die Expertise aus der Praxis. „Die Exkursion hat Lust auf das Arbeitsfeld gemacht“ resümmierten sie.